Nächstes Jahr

Ich habe beschlossen, die Sache mit der Erziehung auf nächstes Jahr zu verschieben. Mein dreieinhalbjähriger Sohn offenbar auch. Als gewissenhafter Typ habe ich mich im Vorfeld der ersten Schwangerschaft natürlich intensiv mit den Entwicklungsstadien eines Kindes befasst und etliche Erziehungsratgeber angeschafft, die ich jetzt immer konsultiere, wenn ich mir das Verhalten meines Sohnes nicht erklären kann. Die Recherche hat folgendes ergeben: Er ist in einer Trotzphase. Na toll. Danke für die Info. Ich versuche es also mit dem einzigen Mittel, das wirklich funktioniert (nein, nicht der Fernseher). Ich versuche mich in mein Kind hineinzuversetzen. Gestern zum Beispiel: Da will er sich eine Apfelschorle einschenken. Irgendwas klappt aber nicht so, wie es soll, also folgt unvermittelt der hysterische Anfall "Papaaaaa, du sollst mir helfen!" Er sagt das nicht nur, er schreit es heraus, in einer Lautstärke, die die Wände erzittern lässt. Dabei donnert er die Flasche auf den Tisch und es schwappt die Hälfte über. Mein Mann antwortet ruhig "Ich wollte dir ja gerne helfen!" und das bringt das Fass zum Überlaufen. Das Kind weint lautstark und ist untröstlich. Jetzt könnte man meinen, das Kind ist einfach nur plemplem. Aber versetzen wir uns mal in seine Lage: Wir sind gerade in einer Hochphase der Selbstbestimmtheit. Wir wollen alles können, können aber noch nicht alles können. Grrrrr. Das nervt. Wieso ist die Flasche so schwer? Wieso kann die Mama die Flasche heben und ich nicht? Zum Donnerdrummel, da reg ich mich jetzt drüber auf. Und der Papa erst. Der steht doch da, der sieht doch, dass ich Hilfe brauche. Papa sagt "Komm, ich mache erstmal die Sauerei weg und helfe dir dann". Das Kind denkt "Soso, Sauerei. Hab' ich wohl mal wieder was falsch gemacht, was?" Und so kommt eins zum anderen. Im Nachhinein können wir uns die Ausraster dieses kleinen Zwerges erklären. Fehlende Impulskontrolle und das Bedürfnis nach Autonomie machen es einem auch nicht leicht. Und dann soll er auch noch am Tisch sitzen bleiben, bis alle fertig sind. Fazit: ich lasse das mit der Erziehung jetzt erstmal. Kann er ja auch noch mit 5 lernen.   

 

 

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