Männer sind so anders

Ja, auch wir haben trotz eines Kissens mit der Aufschrift "Hier wohnt das Glück" ab und zu mal Streit. Heute Morgen zum Beispiel. Ich werde wach, die Nacht war kurz. Während ich meine Restenergie innerlich zusammentrommele, um meinen Körper in die Vertikale zu bringen, wird der Kleine im Babybalkon unruhig. Ok, ich kann zwar noch nicht richtig geradeaus gucken und meine Frisur sieht aus wie eine Trauerweide nach einem Blitzeinschlag, aber das Baby geht vor. Erstmal aus dem Schlafsack auspacken. Mist, ausgelaufen. Und es ist nicht nur Pipi. Also ab mit dem Paket ins Wickelzimmer. Während ich wasche und wickele gibt's im Zimmer nebenan schon hitzige Sondierungsgespräche. Weil der Papa die falsche Unterhose rausgelegt hat. Weil er überhaupt irgendwas macht, der Große kann schließlich alles alleine und will auch alles alleine. Papa resigniert und geht runter in die Küche. Ich höre das vertraute Summen der Kaffeemaschine. Achja, Kaffee...hätte ich jetzt auch gerne. Während ich noch damit beschäftigt bin, den Kleinen ausgehfein zu machen, steht der Große neben mir. Er will heute zwei T-Shirts anziehen. Da ich ja in diesem Jahr nicht mehr erziehe, helfe ich ihm dabei. Natürlich erst, nachdem er mich explizit dazu aufgefordert hat. Mit Baby auf dem Arm und großem Sohn an der Hand gehe ich runter. Ich muss aufpassen, weil mir meine merkwürdige Frisur die Sicht verdeckt. Unten lege ich das Baby ab und kann dann endlich auch mal ins Bad. Also Treppen wieder hoch. Der Große läuft mir hinterher. Ich soll irgendeine Diskussion zwischen ihm und Papa zum Thema Spülmaschine deeskalieren. Ich höre die Kaffeemaschine ein zweites Mal. Also Schnellprogramm: Haare kämmen, Gesicht waschen, Zähne putzen, schnell was anziehen und runter. Das Baby weint. Ich muss stillen und setze mich dazu auf die Couch. Ich höre wieder das verführerische Geräusch der Kaffeemaschine. Diesmal ist der Kaffee aber für mich, mit viel Milchschaum...juhuu. Da steht er. Auf dem Esstisch. Weit weg. Der Kleine ist endlich satt und zufrieden und ich begebe mich an den Frühstückstisch. Der Große sitzt neben mir und ich helfe ihm, nachdem er mir die Erlaubnis erteilt hat, sein Honigbrot zu schmieren. Er futtert. Das ist die Gelegenheit. Schnell einen Schluck Kaffee. Mein Mann ist schon fertig mit frühstücken. Aus der Küche folgt die Aufforderung an den Großen: "Auf geht's, Zähne putzen." Das Kind rührt sich nicht und als ich gerade den heißen Kaffeedampf an meiner Nase spüre und die Lippen ansetze passiert es: "Sag doch du auch mal was!" Ok. Ich verbalisiere also auch eine Aufforderung an den Großen: "Hopp, aufstehen, Zähne putzen!" Es passiert, ganz komisch, nichts. Darauf folgt eine kurze und hitzige Auseinandersetzung, wie immer geht es darum, wer wie viel macht. Ich nehme den Großen bei der Hand, gehe mit ihm ins Bad, putze ihm die Zähne, wasche ihm die Hände und das Gesicht. Wir gehen runter, ich ziehe ihm Schuhe, Jacke, Schal und Mütze an. Fertig. Die Stimmung ist so kalt wie mein Kaffee. Papa und der Große gehen aus dem Haus. Hm...blöd gelaufen. Dann höre ich die Schlüssel in der Haustür. Er kommt zurück. Kopfkino. Bestimmt kommt er, um mich in den Arm zu nehmen. War ja auch voll unnötig, der Streit. Das wird jetzt voll der romantische Moment. Ich bin schon ganz aufgeregt. Wir werden uns umarmen, in die Augen schauen...Ich versuche nachdenklich zu wirken. Ich höre wie er in die Küche geht. Es raschelt. Der Müllsack. Dann fällt die Tür wieder ins Schloss. Männer sind irgendwie anders. 

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