Die Mackenlotterie

Ich staubsauge jeden Tag um 14 Uhr. Zwangsneurose? Nein, ich bin einfach nur Mutter. Wie das zusammenhängt? Das will ich euch gerne erklären. Ich bin überzeugt davon, dass es während der Schwangerschaft einen embryonalen Entwicklungsprozess gibt, den ich als "Mackenlotterie" bezeichne. Ich stelle mir das so vor: Der Embryo durchläuft in seinem Gehirn eine Art Gameshow. "Liebes zukünftiges Erdenwesen, willkommen bei der Mackenlotterie! Heute wird dir deine ganz individuelle Macke zugeteilt! Bitte dreh einmal kräftig an dem Mackenrad, um deine künftige Macke zu bestimmen. Du darfst, wenn du willst, auch gerne mehrfach drehen."

Bei dieser Mackenlotterie hat mein erster Sohn das Feld "Ich nehme keine Flasche, auch nicht mit abgepumpter Milch" gezogen. Das hat dazu geführt, dass ich zu keiner Zeit länger als 2-3 Stunden weg sein konnte.

Mein Jüngster hat das Feld "Ich akzeptiere keinerlei Transportvarianten außer menschliche Arme" getroffen. In der Praxis sieht das folgendermaßen aus: Autoschale: Geschrei, Tragehilfe (divers): Geschrei, Kinderwagen: Geschrei. Gut, die logische Schlussfolgerung hieraus ist eigentlich die: ich verlasse nie wieder mein Haus. Dazu wäre ich tendenziell auch bereit, aber ich habe ja noch ein Kind, das sitzt im Kindergarten und will abgeholt werden. Ein echtes Dilemma. Ok, wir verfeinern unsere Strategie. Tragetuch plus Singen. Babyschale plus Dunstabzugshaube. Babyschale plus Fön. Babyschale hin- und herwiegen. Jacke an-aus, alternativ Mütze-keine Mütze. Erst stillen, dann in die Babyschale. Neugeboreneneinsatz rein-raus. Baby im Tiefschlaf ganz vorsichtig millimeterweise in die Babyschale legen. Brummen. Apps mit Rauschen. Schnuller. Ich komme mir blöd vor. Ich schwitze und bin kurz vorm Nervenzusammenbruch. Ein Mal, ein einziges Mal in nunmehr 9 Wochen, habe ich es geschafft, dass er sich schlafend in die Autoschale hat legen lassen und weiterschläft. Da habe ich gestaubsaugt und er ist von dem Geräusch eingeschlafen. Seither staubsauge ich jeden Tag um 14 Uhr. Und warte auf den Tag, an dem es wieder passiert.

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