Titel: Dunkelgrün fast schwarz

Autorin: Mareike Fallwickl

Verlag: FVA

ISBN: 978-3-627-00248-0

https://www.fva.de/Buecher/Dunkelgruen-fast-schwarz.html

Schon lange liegt das Buch „Dunkelgrün fast schwarz“ auf meinem Stapel der Bücher, die gelesen werden wollen. Man ist auf Instagram auch nicht herumgekommen um dieses Werk, das nicht zuletzt durch sein wunderbares Cover besticht. Die Ästhetin in mir war sofort angesprochen und so war ich auch hoch entzückt, als mein Mann mir die 2. Auflage des Debutromans von Mareike Fallwickl mitgebracht hat. An den vielen Rezensionen auf Instagram habe ich geflissentlich vorbeigelesen, ich wollte natürlich die Story autark erkunden und unbeeinflusst sein, wenn es um die Beurteilung des Buches geht. Aber die vielen Herzchen und Daumen hoch und Jubelschreie sind natürlich nicht im Verborgenen geblieben. Sei’s drum, nun habe ich es auch gelesen und möchte meine gesammelten Eindrücke schildern:

 

Motz und Raf kennen sich von Kindesbeinen an, Jo komplettiert den Dreierbund im Jugendalter. Im Wesentlichen beschreibt Fallwickl die Abhängigkeiten der drei Charaktere, Motz kann nicht ohne Raf, Jo kann nicht ohne Raf, Raf kann nicht ohne Motz und eigentlich auch nicht ohne Jo. Und Jo und Motz sind dann auch nochmal ein ganz eigenes Thema. Die Figuren legitimieren einander in ihrem Handeln, das ist wunderschön gestrickt und nachvollziehbar. Motz begeistert durch seine besondere Fähigkeit, die Menschen mit ihren Farben zu sehen, Raf provoziert mich und ich würde ihm gerne einfach mal ins Gesicht schlagen und Jo, die würde ich am liebsten bei den Schultern packen und kräftig durchschütteln. Ich mag das, weil die Figuren keine Fremden bleiben, weil sie plötzlich dein Leben begleiten, solange die Lektüre andauert, aber nicht nur während des Lesens, sondern auch dazwischen, beim Zähneputzen oder beim Wickeln habe ich immer wieder über diese schicksalhafte Dreierkonstellation und auch über Marie nachgedacht, die Mama von Motz, mit der ich mich sehr verbunden fühlte. Fallwickl schafft es, jedem ihrer Charaktere eine klare und scharfe Kontur zu verleihen, ich hatte sofort ein Bild, eine Vorstellung von allen und das, so kann man sagen, war vielleicht auch etwas, was mich gestört hat. Motz war von Anfang bis zum Ende der liebe, nette, der nicht „Nein“ sagen kann. Jo war von Anfang bis Ende die traurige, ungeliebte, die ihr eigenes Leben und sich selbst verachtet, mit einem Hang zur Selbstzerstörung und Raf war von Anfang an der Sadist. Aus den Schubladen kommen – aus meiner Sicht – alle drei Figuren nicht hinaus, auch wenn das letzte Kapitel mir etwas anderes suggerieren möchte. Dafür war das Verhaltensmuster der Drei über 99% des Buches zu deutlich, zu unverändert, es gibt keinen Anlass zu glauben, dass am Ende eine plötzliche Kehrtwende eintritt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau und spiegelt auch nur meine persönliche Meinung. Ich liebe einfach Entwicklungen, Veränderungen, ungeahnte Wesenszüge bei literarischen Figuren, Überraschungen. Und das kam mir ein wenig zu kurz.

 

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch sehr gerne gelesen, es liest sich flüssig, es ist spannend und auch die „Nebenschauplätze“ trugen ihren Teil dazu bei, mich zu fesseln. Fallwickl schreibt unprätentiös, sie tut sich damit hervor in der Masse der Bücher, die sich vor Verklausulierungen fast schon überschlagen und das ist herrlich erfrischend, weil es mich als Leserin nicht ablenkt von dem Wesentlichen, weil es mich nicht überfordert und weil es unterhält. Und dann steht da immer die Frage: was nehme ich mit? Ich empfehle Bücher immer dann, wenn sie etwas hinterlassen, eine Spur auf meinem Weg, etwas Nachhaltiges. Wenn sie mich verändern oder die Art, wie ich die Dinge sehe. Bei Fallwickl sind es viele einzelne Sätze, kleinere Szenen, die mich sehr berührt haben und über die ich noch lange nachgedacht habe. Ich erlaube mir, meinen Lieblingssatz aus „Dunkelgrün fast schwarz“ zu zitieren: „Ist schon gut, denkt man, irgendwie kriegen wir das hin, und man wurschtelt sich durch, aber plötzlich sind die Jahre vorbei, in denen man es richtig hätte machen können, und zurück bleibt Reue.“ (S. 386)

 

Danke, Mareike Fallwickl für Dein Buch und für diesen besonderen Satz, denn ich habe zwei kleine Jungs, und wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja noch, es richtig zu machen. Danke, dass Du mich daran erinnerst, die Zeit nicht zu vergeuden.