Titel: Geständnisse

Autor/in: Kanae Minato

Übersetzer/in: Sabine Lohmann

Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10290-9 

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Kanae Minato hat ein Buch geschrieben, das für mich gleich mehrere Identifikationspotentiale birgt. Die Protagonistin ist Lehrerin, so wie ich und sie ist Mutter, so wie ich. Und das Buch beginnt sofort mit einem Donnerschlag. Wenn Bücher schon auf den ersten paar Seiten so beginnen, das man unbedingt wissen will, wie sich alles auflöst, dann lasse ich auch gerne mal das Mittagessen ausfallen. Ich will nicht zu viel verraten, aber es geht um die Rache einer Mutter, die ihr Kind verloren hat. Ich bin ganz ehrlich, Rache ist natürlich etwas, das wir nicht weiter erwägen sollten, wir bringen unseren Kindern bei nicht nachtragend zu sein und sich nicht mit den Bösewichten auf eine Stufe zu stellen. Man soll nicht Gleiches mit Gleichem vergelten und so weiter. Jaja, das mag ja alles richtig sein, wenn es darum geht, dass Kevin der Chantalle ihr Pausenbrot geklaut hat. Aber wenn es um Muttergefühle geht, spielt das alles keine Rolle. Ich erwische mich manchmal bei dem Gedanken, wie ich kleine blonde Mädchen anschnauze, weil sie meinen Sohn offensichtlich provozieren. Neulich habe ich gelesen, dass sich Eltern bei einem Fußballturnier ihrer Kinder eine Massenschlägerei geliefert haben, weil der Kleine doch ein Tor geschossen hat, das keins war, oder umgekehrt. Ich scheine also nicht ganz alleine zu sein mit solchen Gedanken. Gut, dass ich gelernt habe meine Gefühle zu regulieren, deswegen kommen die Mädels auch immer davon und außerdem ist mein Junge ziemlich tough und weiß, wie er sich verteidigen kann. 

Ich kann mich noch daran erinnern, als ich Quentin Tarantinos Kill Bill zum ersten Mal gesehen habe. Damals war ich selbst noch nicht Mutter, aber diesen tief schürfenden Hass auf die Person, die dir dein Kind genommen hat, konnte ich in jeder Faser meines Körpers nachempfinden. Umso intensiver haben sich diese Rachegelüste bei der Lektüre von "Geständnisse" entwickelt. Ich frage mich: wie würde ich handeln, wenn jemand meinem Kind etwas antun würde. Ganz klar ist, das der Gedanke an Rache kommt. Aber wie soll diese Rache aussehen? Wie kann man den maximalen Schmerz, den die Hauptfigur verspürt zurückgeben? Die Lehrerin Moriguchi findet einen Weg und sie dabei zu begleiten, lässt unsere dunklen Dämonen, die sich zähnefletschend an Rachegeschichten erfreuen, erwachen. Wieder einmal ein Buch, das es geschafft hat, meine Emotionen voll und ganz anzusprechen. Also wenn irgendwer meinem Kind ein Haar krümmen würde....ich würde dieses Buch rausholen und nochmal genau nachlesen, was zu tun ist. Wenn ich die Rezension jetzt so lese, klinge ich ein bisschen wie eine Irre. Das Buch ist aber auch irre gut!

 

Mamas Meinung: Ein irre böses Buch, bei dem sich die inneren Geister Moral und Rachegefühl ein spannendes Match liefern.