Titel: Leere Herzen

Autorin: Juli Zeh

Verlag: Luchterhand

ISBN: 978-3-630-87523-1

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Britta und ihr Geschäftspartner Babak handeln mit dem Tod. Sie vermitteln Selbstmordattentäter an Organisationen, die politisch, ökologisch oder religiös motiviert sind und rechtfertigen dieses moralisch äußerst fragwürdige Geschäftsmodell mit dem Argument, dass die meisten Kandidaten durch den 12-stufigen Evaluierungsprozess "geheilt" entlassen werden bevor es tatsächlich zu einer Vermittlung und einem Attentat kommt und dass sie andererseits den Terrormarkt durch ihre Dienstleistung befriedet und planbar gemacht haben, mit kalkulierbaren Opferzahlen und Schäden. Die Moral steht im Mittelpunkt dieses Zukunftsromans, dieser Dystopie, in der Demokratie für den Einzelnen keinen Wert mehr besitzt, in der die politische Verdrossenheit der Bürger auf einem Höhepunkt angelangt ist und die Bürger nicht mehr wählen, weil sie sich eine eigene politische Meinung gebildet haben, sondern weil ihnen politische Überzeugungen verkauft werden, subtil und allgegenwärtig.

 

Erschreckend ist dieses Szenario, das Juli Zeh zeichnet, weil es viele Parallelen zur Wirkichkeit aufweist, sei es Beeinflussung von Wählern durch Marketingkampagnen in sozialen Netzwerken oder der Vormarsch rechtsorientierter Parteien in Europa. So könnte es werden, wenn wir nicht aufpassen, wenn wir dir Demokratie nicht schützen, wenn wir vergessen, dass Demokratie gleichbedeutend ist mit Freiheit.

 

Von Anfang an hatte ich beim Lesen das Gefühl "Das geht doch nicht! Damit kann man doch kein Geld verdienen. Wieso hindert die keiner daran?" Und auch Britta scheint es in sich zu spüren. In ihr schwelt ein Dilemma und es ist ihre Herausforderung, dieses Dilemma aufzuspüren und zu lösen.

 

Mamas Meinung: Definitiv lesenswert, nicht nur einmal ist mit ein eiskalter Schauer über den Rücken gelaufen, als ich darüber nachdachte, wie eng die Handlung der Geschichte schon mit der Gegenwart verknüpft ist.