Titel: Patria

Autor: Fernando Aramburu

Verlag: Rowohlt

ISBN: 978-3-498-00102-5

www.rowohlt.de

 

Eine fesselnde und berührende Geschichte über die Entfremdung zweier einst befreundeter Familien im Kontext der spanischen ETA Anschläge. Der Leser mittendrin in dem moralischen Hin und Her. Wer ist hier eigentlich Opfer? Wer Täter? Und mit welchen Maßstäben entscheiden wir darüber, während wir diese Geschichte verfolgen von Ausgestoßenen, von Kämpfern, von Verlorenen und denjenigen, die die Hoffnung nicht aufgeben und das Gute im Menschen sehen.

 

Bittori und Miren, die Mütter zweier einst eng miteinander befreundeten Familien, haben sich nichts mehr zu sagen. Bittori, die ihren Mann durch einen ETA Anschlag verloren hat, versucht wieder Fuß zu fassen in ihrer Heimat (Patria), von der sie fortgegangen ist, nachdem sich die Dorfbewohner nach und nach von ihr abgewendet hatten und nachdem ihr Mann Txato, ein Unternehmer, auf offener Straße umgebracht wurde. Sie verkraftet den Verlust kaum, und auch ihre erwachsenen Kinder beklagen den Tag, an dem der Mord an ihrem Vater zum einzigen Inhalt ihres Lebens wurde. Sie alle wollen nur eins, abschließen mit der Vergangenheit und nach vorne blicken, aber dazu braucht Bittori Ruhe im Herzen und die kann sie nur erlangen, wenn Genugtuung erlangt. Und diese fordert sie von Mirens Sohn, einem ETA Kämpfer, der im Gefängnis sitzt und mutmaßlich in den Mord an Txato verwickelt ist. Miren, angetrieben von dem Bedürfnis, ihren Sohn vor Ungerechtigkeiten zu schützen, verteidigt ihn und die ETA und dieser Konflikt bildet die Basis für die große Geschichte dieser beiden Familien, die uns Fernando Aramburu präsentiert. Er hat einen wundervollen Roman geschrieben, in einer mir ganz neuen Stilistik, mit einer geschickten und einem irrsinnigen Gespür für das geschriebene Wort bringt er uns die Geschichte dieser beiden Familien nahe und wir sind Beobachter, Teilhaber und die kleine Stimme auf der Schulter der Figuren zugleich, denn Aramburu wechselt virtuos die Erzählperspektiven und tut dies so feinfühlig, so zart, dass wir es manchmal gar nicht bemerken. Dieser Stil verleiht dem Werk eine ganz eigene Dynamik, die uns über die 756 Seiten antreibt, uns mitfühlen lässt. Für alle Liebhaber schöner Sprache ein unbedingtes Muss, aber auch für alle anderen.