Titel: Underground Railroad

Autor/in: Colson Whitehead

Übersetzer/in: Nikolaus Stingl

Verlag: Hanser
ISBN: 978-3-446-25655-2 

www.hanser-literaturverlage.de

 

"Underground Railroad" von Colson Whitehead erzählt die Geschichte von Cora, einer Sklavin, die die Underground Railroad zur Flucht in die US Nordstaaten nutzt und auf ihrem Weg Unterstützer findet, aber auch vor Kopfgeldjägern fliehen muss. Der Stil des Buches ist eher sachlich, distanziert und nüchtern und in diesem Stil zugleich erschreckend. Während der gesamten Lektüre konnte ich angesichts der beschriebenen Ungerechtigkeit nur den Kopf schütteln. Besonders nahe gegangen ist mir die Episode um Martin und Ethel. Ethel fügt sich zwar den Entscheidungen ihres Mannes, trägt aber hierzu einen enormen inneren Konflikt aus, der ihr Verhalten prägt und mich als Leserin einmal mehr dazu brachte, über meine eigene Haltung zu reflektieren. Bemerkenswert ist hier vor allem die Erkenntnis, dass die heutige Zeit von mir verlangt, meine Entscheidungen, meine Werte und Haltungen nach außen hin zu vertreten. Die Ausrede "das hat mein Mann so entschieden" wird zunehmend obsolet. Und das ist auch gut so! Das Buch hat den National Book Award und den Pulitzerpreis gewonnen. Es zeigt uns den Keim des noch immer herrschenden Konflikts zwischen Menschen verschiedener Herkunft. Ich bin dafür, jeden Menschen gleich zu behandeln, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Religion, Sexualität und was man sonst noch als Unterschied feststellen kann. Ich bin eine Verfechterin von Objektivität und alleine aus diesem Grund schon belastet mich das Thema Sklaverei sehr. Es macht mich verrückt, dass mein Gehirn einsehen muss, dass es so etwas gab und immer noch gibt. Trotzdem: das Buch hat mich nicht in dem Maß erreicht, wie es "Die Erfindung der Flügel" geschafft hat. Die Figuren der Geschichte sind mir letztlich leider nicht so nahe gekommen.

 

Mamas Meinung: Ein gutes Buch, allerdings fand ich den Aufbau und die nüchterne Erzählweise über weite Teile zu distanziert. Im Vergleich hierzu sprudelten die Emotionen in Sue Monk Kidds "Die Erfindung der Flügel" geradezu über.