Titel: Unterleuten

Autorin: Juli Zeh

Verlag: Luchterhand

ISBN: 978-3-630-87487-6

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An Juli Zehs Unterleuten bin ich schon so manches Mal vorbeigelaufen und dachte daran, es mitzunehmen. Tatsächlich war es dann ein Spontankauf – man vergebe mir – nicht in meinen Lieblingskuschelbuchgeschäft, sondern im Supermarkt. Naja, Hauptsache nicht dem Online-Riesen das Geld in den Rachen geworfen. Sei’s drum. Ich habe es also gekauft, auch fern meiner eigentlichen Neigung, am liebsten alles als Hardcover zu lesen, in der Paperback Ausgabe.

 

Unterleuten ist ein kleines Dorf, die nächste Großstadt ist Berlin und aus dieser Großstadt zieht es den ein oder anderen Neubewohner nach Unterleuten. Hier, wo ich wohne, würde man sagen, das sind „Bigezohne“, was soviel heißen soll wie „Zugezogene“ (warum die Saarländer so gerne aus „zu“ ein „bei“ machen, bleibt mir ein Rätsel, aber sie sagen wirklich „Geh‘ mal bei die Oma“, anstatt „Geh‘ mal zur Oma“. Über die Feinheiten des saarländischen Dialekts könnte ich hier ein ganzes Essay schreiben, aber wir lassen das, es geht ja schließlich ums Buch.

 

Wenn man selbst vom Dorf kommt, dann kann man das, was in Unterleuten geschieht, sehr gut nachvollziehen. Es ist eine eigene kleine Welt, mit eigenen Regeln, eigenen Strukturen, mit Traditionen und Fehden, die sich über Generationen spinnen und mit einer großen Portion Eigensinn. In Unterleuten treffen Menschen zusammen, die in unterschiedlichster Form miteinander verbunden sind. Da gibt es Erzfeinde, Geliebte, Einsame und Unverbesserliche, Vogelfreunde, Pferdefreunde, Klatschweiber und Großgrundbesitzer und das ganze Dorf gerät in einen allesumfassenden Konflikt um den Bau von Windkrafträdern. Juli Zeh – ich entwickele mich gerade zu einem Fan, nachdem mir Leere Herzen schon so gut gefallen hat – stattet jede dieser Figuren mit zwei Seiten aus, einer liebenswerten und einer dämonischen Seite. Jede Figur verfolgt eigene Interessen und möchte diese durchsetzen und gleichermaßen sind die Motive der Figuren durchweg keine schlechten. Das durchschaut der Leser aber erst im Verlauf, vordergründig scheinen Habgier, Rache und Machtbestreben die Figuren anzutreiben, aber man lernt nach und nach die Hintergründe einer jeden Figur kennen und sieht die liebenswerten, die menschlichen Seiten, aber auch die sehr bösen, dunklen Abgründe der Unterleutner Seelen.

 

Die Windräder werden zum Zankapfel, zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und zum Zunder, der alte Geschichten hervorholt, Geschichten von Verbrechen und Verrat. Die Spiele sind eröffnet, die Grundbesitzer rangeln um den Zuschlag für den Bau der Windkraftanlagen und am Ende gibt es keine Gewinner und einen sehr schlechten Verlierer.

 

Mamas Meinung: In kürzester Zeit habe ich diesen Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite großartig unterhalten hat, gelesen. Eine klare Empfehlung es mir gleichzutun.